Der Ukraine-Krieg – eine umfassende Betrachtung
(erstellt am 15.12.2025)
- Die Bilanz des Schreckens: Der Status Quo
- Das Erbe des Grenzlands: Eine Nation zwischen den Mühlsteinen
- Der Kuchen des Krieges: Die strategischen Rohstoffe der Ukraine
- Die Moskauer Sicht: Eine gekränkte Großmacht reagiert
- Die Kiewer und westliche Lesart: Souveränität, Recht und Existenzkampf
- Exkurs I: Der Große Zyklus des Machtwechsels (nach Ray Dalio)
- Exkurs II: Der Inflationsmotor der EU-Geldpolitik
- Exkurs III: Das gläserne Schlachtfeld – Der Wandel der Kriegsführung
- Die aktuelle Sitation
- Die Eskalationsleiter: Der Marsch zum nuklearen Abgrund
- Die deutsche Achse: Logistisches Drehkreuz und geopolitisches Ziel
- Exkurs IV: Die entflochtene Abhängigkeit – Der Schock der Sanktionen
- Das Ende der Tragödie: Drei Szenarien für den Ausgang des Krieges
- Szenario I: Der Kalte Frieden (Einfrieren des Konflikts) – Das wahrscheinlichste Ergebnis
- Szenario II: Der Militärische Durchbruch (Sieg durch Zusammenbruch) – Am wenigsten wahrscheinlich
- Szenario III: Der Verhandelte Frieden (Die diplomatische Lösung) – Die unwahrscheinlichste Hoffnung
- Die Illusion der Pufferzone
- Fazit

Worte zu finden, wo andere nur noch Waffen sprechen lassen wollten, war von jeher einer meiner Grundsätze. Mit den Jahren an Lebenserfahrung lernte ich eine bittere Wahrheit: Kriege werden von Historikern oft in Strategien und geopolitischen Verschiebungen gemessen, aber für jemanden, der versucht, die Fäden wieder zusammenzuknüpfen – ist Krieg vor allem das monumentale Scheitern der Vernunft.
Ich blicke auf diesen Konflikt nicht mit der Brille der Voreingenommenheit. Ich sehe die Ukraine, die um ihre bloße Existenz, ihre Kultur und ihre Kinder ringt. Und ich sehe Russland, gefangen in einer imperialen Spirale, die seine eigene Zukunft ebenso verschlingt wie die des Nachbarn. Wenn ich in die Augen der Delegationen beider Verhandlungsseiten schaue, sehe ich dieselbe Erschöpfung, denselben tiefen, unaussprechlichen Schmerz, auch wenn er hinter Masken aus Wut und Stolz verborgen wird.
Bevor wir darüber spekulieren können, wie dieses Morden endet, müssen wir uns zwingen, dem Grauen ins Gesicht zu sehen. Wir müssen eine Bestandsaufnahme des Ist-Zustandes machen, so nüchtern und grausam sie auch sein mag. Denn Frieden kann niemals auf Illusionen gebaut werden.
Die Bilanz des Schreckens: Der Status Quo
Wir befinden uns in einem Zermürbungskrieg, dessen Intensität in Europa seit 1945 beispiellos ist. Die Realität vor Ort lässt sich kaum noch in Worten fassen, aber die Zahlen sprechen eine deutliche Sprache.
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Der Zeitrahmen: Der offizielle, massive Einmarsch Russlands begann am 24. Februar 2022. Doch für die Diplomatie begann das Sterben bereits 2014 mit der Annexion der Krim und dem Krieg im Donbas. Wir blicken also nicht auf zwei, sondern auf über zehn Jahre Konflikt zurück.
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Die menschlichen Verluste (Militär): Die genauen Zahlen sind das am strengsten gehütete Geheimnis beider Seiten, ein Nebel des Krieges. Konservative westliche Geheimdienstschätzungen gehen jedoch davon aus, dass Russland weit über 350.000 bis 500.000 Mann verloren hat (Gefallene und Verwundete). Auf ukrainischer Seite sprechen wir ebenfalls von verheerenden Verlusten, die in die Hunderttausende (Gefallene und Verwundete) gehen. Was diese Zahlen nicht zeigen, ist der Verlust einer ganzen Generation. Es fehlen die Väter, die Ingenieure, die Künstler von morgen.
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Die zivilen Opfer: Die UN hat über 10.000 bestätigte tote Zivilisten registriert, weiß aber, dass die Dunkelziffer – insbesondere in den besetzten und zerstörten Gebieten wie Mariupol – um ein Vielfaches höher liegt. Nach ukrainischen Angaben (Office of the Prosecutor General of Ukraine Stand 27. November 2025) sind mindestens 16.000 Zivilisten durch russische Angriffe getötet worden. Millionen Menschen tragen physische und psychische Narben.
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Die verminte Erde: Die Ukraine ist heute das am stärksten verminte Land der Erde. Schätzungsweise 30% des ukrainischen Staatsgebiets (eine Fläche so groß wie Florida oder zweimal Österreich) sind mit Minen und Blindgängern verseucht.
- Russland hat massive, kilometertiefe Verteidigungslinien (die sogenannte Surowikin-Linie) errichtet, die aus dichten Minenfeldern bestehen.
- Auch die Ukraine musste weite Gebiete verminen, um Vorstöße abzuwehren. Dies wird das Land für Jahrzehnte unbewohnbar oder landwirtschaftlich unnutzbar machen.
- Laut einer Einschätzung der ukrainischen Regierung würde es bei der heutigen Kapazität mehrere Jahrzehnte (bis zu 70 Jahre) dauern, alle kontaminierten Gebiete zu räumen - die Gesamtkosten dafür würden werden auf etwa $34 – $38 Milliarden geschätzt.
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Zerstörung der Infrastruktur: Der materielle Schaden geht in die Hunderte von Milliarden. Ganze Städte wie Bachmut, Awdijiwka oder Mariupol existieren faktisch nicht mehr als bewohnbare Orte; sie sind Mondlandschaften. Systematisch wurde zudem die ukrainische Energieinfrastruktur angegriffen, was den Überlebenskampf der Zivilbevölkerung in den Wintern extrem erschwert.
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Flucht und Vertreibung: Es gab den größten Flüchtlingsstrom in Europa seit dem Zweiten Weltkrieg. Rund 6 Millionen Ukrainer sind ins Ausland geflohen, weitere 3,7 Millionen sind Binnenvertriebene im eigenen Land.

„Im Krieg töten sich Menschen,
die sich nicht kennen,
wegen Menschen, die sich kennen,
aber sich nicht töten.“
Das Erbe des Grenzlands: Eine Nation zwischen den Mühlsteinen
Um die heutige Wut und Entschlossenheit in den Augen der Ukrainer zu verstehen, muss man begreifen, dass ihr Land nicht nur ein geographischer Ort ist, sondern eine historische Schnittstelle. Der Name selbst – Ukrajina – bedeutet „Grenzland“. Und Grenzen sind in Europa selten friedliche Orte; sie sind Narben der Geschichte.
Aus Moskau hörte ich oft die Erzählung von der „historischen Einheit“, von der Kiewer Rus als der gemeinsamen Wiege, aus der die Ukraine lediglich als eine Art „Kleinrussland“ (Malorossija) hervorgegangen sei. Für den Kreml ist die ukrainische Unabhängigkeit oft nur ein historischer Betriebsunfall, eine Laune des Jahres 1991.
Doch diese Sichtweise ist nicht nur arrogant, sie ist blind für die Jahrhunderte, in denen die Ukraine eine völlig andere Luft atmete als Moskau.
Der Riss durch die Seele: West und Ost
Während Russland über Jahrhunderte eine zentralistische, autokratische Machtstruktur aufbaute, war ein großer Teil der heutigen Ukraine – besonders der Westen und die Mitte – tief in die Polnisch-Litauische Adelsrepublik und später in das Habsburgerreich eingebunden.
- Kulturelle Prägung: In Lwiw (Lemberg) oder Czernowitz spürt man bis heute das Erbe Mitteleuropas: das Kaffeehaus, die Architektur, die Tradition der bürgerlichen Selbstverwaltung und – ganz entscheidend – die Unierte (Griechisch-Katholische) Kirche. Diese Regionen waren Teil der europäischen Renaissance und Aufklärung, während Russland oft isoliert blieb.
- Der politische Kosaken-Mythos: In der Zentralukraine entstand mit dem Hetmanat der Kosaken schon früh eine Tradition der „Wehrhaften Demokratie“. Kosaken wählten ihre Anführer. Dieser Freiheitsdrang, der Autoritäten in Frage stellt, ist bis heute Teil der ukrainischen DNA und unterscheidet sich fundamental vom russischen Staatsverständnis, das Gehorsam gegenüber dem Zaren (oder Generalsekretär, oder Präsidenten) beruht.
Die Sprache als Schlachtfeld
Nichts fürchten Imperien mehr als das gesprochene Wort, das sie nicht kontrollieren können. Die Geschichte der ukrainischen Sprache ist eine Geschichte des Überlebens gegen staatlich verordnetes Schweigen. Man muss das Ems-Ukas von 1876 kennen, ein Dekret des Zaren Alexander II., das den Druck ukrainischer Bücher, Theateraufführungen und sogar Liedtexte verbot. Die Sprache wurde als „bäuerlicher Dialekt“ diffamiert, um die Entstehung einer modernen Hochkultur zu verhindern. Dass heute in Charkiw oder Odessa wieder stolz Ukrainisch gesprochen wird, ist für Moskau daher nicht nur ein kultureller Wandel, sondern ein politischer Akt der Rebellion.
Das Trauma des 20. Jahrhunderts: Die "Bloodlands"
Kein Diplomat kann über die Ukraine sprechen, ohne den Schatten Stalins zu erwähnen. Was in den 1930er Jahren geschah, hat das Verhältnis zu Moskau für immer vergiftet. Der Holodomor (1932–1933), die künstlich herbeigeführte Hungersnot, bei der Stalins Regime das Getreide der „Kornkammer Europas“ beschlagnahmte, um die Industrialisierung zu finanzieren und den ukrainischen Freiheitswillen zu brechen, kostete fast vier Millionen Menschen das Leben. Es war ein leiser Genozid, der in den Dörfern stattfand, während die Welt wegsah.
Dieses Trauma sitzt tief. Wenn russische Panzer heute durch ukrainische Dörfer rollen, sehen die Menschen dort nicht nur eine Armee – sie sehen die Rückkehr einer Macht, die sie schon einmal vernichten wollte.
Die Unabhängigkeit 1991: Kein Geschenk, sondern ein Auftrag
Als die Sowjetunion zerfiel, stimmten über 90% der Ukrainer für die Unabhängigkeit – auch im Osten, auch auf der Krim (wenn auch dort knapper). Doch das Land blieb lange zerrissen: wirtschaftlich eng mit Russland verflochten, kulturell aber zunehmend nach Westen blickend. Die Tragödie der letzten 30 Jahre war, dass der Westen die Ukraine oft als Pufferzone und Russland sie als entlaufenen Vasallen sah. Niemand fragte ernsthaft, was die Ukraine selbst sein wollte, bis sie 2014 auf dem Maidan und später im Schützengraben ihre Antwort gab: Kein Vasall. Der politische Umbruch von 2014, obwohl getragen von der tiefen Enttäuschung der ukrainischen Zivilgesellschaft über die Korruption, wurde von einigen Beobachtern als ein durch westliche Mächte unterstützter und aktiv beeinflusster Putsch interpretiert.
Das ist die historische Last, die auf jedem Verhandlungstisch liegt. Es geht nicht nur um NATO-Beitritte oder Donbas-Grenzen. Es geht um die Anerkennung einer Identität, die sich über Jahrhunderte gegen die Auslöschung behauptet hat. Aber warum ist die Ukraine so interessant?
Der Kuchen des Krieges: Die strategischen Rohstoffe der Ukraine
Unter der Oberfläche der ukrainischen Steppen schlummern Schätze, die unter anderem den geopolitischen Wert des Landes ausmachen. Die Ukraine wird als die „Kornkammer Europas“ (Weizen, Mais) bezeichnet, besitzt aber auch über 5% der weltweiten Mineralressourcen. Bei einer Eskalation geht es nicht nur um Territorium, sondern um die wirtschaftliche Kontrolle dieser Ressourcen.
- Der Wert: Die Bodenschätze der Ukraine, darunter Eisen, Titan (strategisch wichtig für die Luftfahrt) und Mangan, sowie kritische Rohstoffe wie Lithium (Batterieherstellung) und Seltene Erden (High-Tech, Halbleiter), werden auf einen Marktwert von Billionen US-Dollar geschätzt. Die EU hat ein vitales Interesse daran, diese Vorkommen zu erschließen, um die Abhängigkeit von China und Russland zu mindern.
- Die Kuchenstücke am Frontverlauf: Die Tragik des Krieges ist, dass die wertvollsten Kuchenstücke größtenteils im und am aktuellen Frontverlauf liegen oder bereits unter russischer Kontrolle sind.
- Fossile Energieträger: Russland kontrolliert Berichten zufolge den Großteil der ukrainischen Kohle (bis zu 80%) und erhebliche Teile der Erdgas- und Erdöl-Reserven, die sich traditionell im Osten und auf dem Schwarzmeerschelf befinden.
- Kritische Metalle: Ein bedeutender Teil der Vorkommen von Lithium und Seltenen Erden, deren Erschließung noch am Anfang steht, liegt in der Zentral- und Ostukraine. Russland kontrolliert somit einen signifikanten Anteil an den Metall- und Seltenen Erden-Reserven (etwa 33% der Seltenen Erden und 42% der Metalle).
Russlands strategisches Ziel bei der Eroberung des Südens und Ostens ist daher nicht nur die Schaffung einer Landbrücke zur Krim und die Schwächung der ukrainischen Industrieproduktion (Stahl), sondern die dauerhafte Aneignung dieser kritischen Rohstoffbasis. Wer diese Vorkommen kontrolliert, kontrolliert einen Schlüssel zum künftigen Industriepotenzial Europas.
Fassen wir im nächsten Abschnitt die Sichtweise Putins zusammen.
Die Moskauer Sicht: Eine gekränkte Großmacht reagiert
In Gesprächen mit hochrangigen Kreml-Vertretern, und besonders im öffentlichen Auftritt von Präsident Putin selbst, wie im Interview mit Tucker Carlson, wird eine klar definierte und historisch aufgeladene Sichtweise auf den Konflikt dargelegt. Diese Darstellung ist die operative Grundlage für die Fortführung des Krieges und richtet sich primär an eine westliche Öffentlichkeit, die man von der vermeintlichen Schuld des Westens überzeugen will.
1. Die historische Rechtfertigung: Die Ukraine als russisches Erbe
Putin begann das Gespräch mit einer langen „Geschichtslektion“, die im Grunde darauf abzielt, die staatliche Souveränität der Ukraine zu delegitimieren.
- Lenins Erbe: Die Ukraine in ihren heutigen Grenzen sei das Produkt bolschewistischer Politik, insbesondere Wladimir Lenins, der – so Putins These – künstlich Territorien geschaffen habe, die historisch zu Russland gehörten (insbesondere der gesamte Südosten).
- Historische Einheit: Die Ukraine sei historisch ein Teil der russischen Zivilisation, die gemeinsame Wiege liege in der Kiewer Rus. Eine unabhängige Ukraine, die sich vom russischen Einfluss lossagt, sei somit ein Verrat an der gemeinsamen Geschichte und ein künstliches Gebilde.
2. Die NATO-Osterweiterung als existenzielle Bedrohung
Der zentrale geopolitische Vorwurf richtet sich gegen die NATO. Putin sieht die Osterweiterung nicht als freie Entscheidung souveräner Staaten, sondern als eine feindselige und schrittweise Einkreisung Russlands.
- Gebrochene Versprechen: Der Kreml behauptet, dass westliche Staatschefs (insbesondere nach dem Fall der Berliner Mauer) informelle Versprechen gegeben hätten, die NATO werde sich nicht nach Osten erweitern. Diese Versprechen seien systematisch gebrochen worden, was zu einem Vertrauensverlust geführt habe, der Verhandlungen heute fast unmöglich mache.
- Waffen an der Grenze: Der mögliche NATO-Beitritt der Ukraine wird als eine existenzielle rote Linie dargestellt. Die Stationierung von NATO-Infrastruktur oder Raketensystemen in der Ukraine würde Moskau zwingen, präventiv zu handeln. Der Krieg von 2022 sei daher eine erzwungene Reaktion auf die Bedrohung an der Westgrenze.
3. Der Westen als Drahtzieher des Umsturzes
Der Maidan-Umsturz von 2014 wird im Kreml nicht als eine Revolution des Volkes gegen Korruption gesehen, sondern als ein von westlichen Geheimdiensten inszenierter und finanzierter Putsch (Kolossaler Fehler – wie Putin betonte).
- Rolle der CIA: Indem die USA 2014 einen pro-russischen Präsidenten durch gewaltsame Proteste absetzten, hätten sie Russland keine andere Wahl gelassen, als die eigene Sicherheit durch die Annexion der Krim und die Unterstützung der Separatisten im Donbas zu schützen.
- Faschismus/Neonazismus: Die ukrainische Regierung wird als von „Neonazis“ unterwandert dargestellt – ein propagandistischer Verweis auf ultranationalistische Gruppen, der dazu dient, den Krieg als eine Entnazifizierung und Entmilitarisierung zu rahmen.
4. Die Forderungen für ein Ende des Konflikts
Putin signalisierte im Interview, dass Russland grundsätzlich zu Gesprächen bereit sei, stellte jedoch unumstößliche Bedingungen, die faktisch auf eine Kapitulation Kiews hinauslaufen:
- Einstellung der Waffenlieferungen: Die USA und Europa müssten sofort aufhören, die Ukraine mit Waffen zu versorgen. Der Krieg würde dann „innerhalb weniger Wochen“ enden, da die Ukraine ohne westliche Unterstützung nicht überleben könne.
- Anerkennung der Realität: Ein Friedensabkommen müsste die neuen territorialen Realitäten – die von Russland annektierten Gebiete – anerkennen. Eine militärische Niederlage Russlands sei „per Definition unmöglich“.
- Keine Angriffe auf NATO-Länder: Putin versicherte, dass Russland keinerlei Interesse habe, Polen, Lettland oder andere NATO-Staaten anzugreifen, sofern diese Russland nicht angreifen. Dies dient der Beschwichtigung des Westens und soll Zweifel an der Notwendigkeit weiterer Ukraine-Hilfe säen.
Die Kiewer und westliche Lesart: Souveränität, Recht und Existenzkampf
Die Perspektive der Ukraine, verkörpert durch Präsident Selenskyj, ist eine des Überlebens und des Rechts. Sie wird von der EU und der NATO geteilt, auch wenn diese Alliierten ihre Unterstützung stets unter dem Damoklesschwert der Eskalationsgefahr kalibrieren müssen.
1. Selenskyjs Position: Existenzkampf und moralische Klarheit
Für Kiew ist der Konflikt kein geopolitisches Schachspiel um Einflusssphären, sondern ein völkerrechtswidriger, existenzbedrohender Angriffskrieg.
- Das Recht auf Selbstbestimmung: Die Ukraine beharrt auf dem fundamentalen Recht jeder Nation, ihren eigenen Weg zu wählen. Die Entscheidung für Europa und die NATO wurde nicht im Westen, sondern in Kiew getroffen – zuerst auf dem Maidan 2014 und dann mit überwältigender Mehrheit im gesamten Land. Die russische Invasion ist demnach der Versuch, dieses Recht durch blanke Gewalt auszulöschen.
- Ablehnung von Landabtretungen: Selenskyj hat stets klargestellt, dass Gebietsabtretungen (auch nicht im Rahmen eines Friedensplans) nicht infrage kommen. Die Anerkennung der russischen Annexionen würde das Prinzip, dass Grenzen in Europa durch militärische Gewalt verschoben werden können, legitimieren. Dies würde einen Präzedenzfall schaffen, der die gesamte europäische Sicherheitsarchitektur gefährdet.
- Forderung nach maximaler Unterstützung: Die Ukraine kämpft mit westlichen Waffen, aber mit eigenen Soldaten und Opfern. Die Führung in Kiew übt daher oft scharfe Kritik am Zögern des Westens, insbesondere in Bezug auf die Geschwindigkeit der Waffenlieferungen und die Einsatzbeschränkungen. Man fordert nicht nur das Nötigste, sondern das Maximum, um die russische Luftüberlegenheit zu beenden und das eigene Territorium zurückzugewinnen. Das Ziel ist nicht nur das Überleben, sondern ein Sieg, der die volle territoriale Integrität wiederherstellt.
2. Die Haltung der EU und des Westens: Prinzipien, Abschreckung und Solidarität
Die Haltung der westlichen Allianz lässt sich auf drei Säulen stützen: Einhaltung des Völkerrechts, Solidarität mit der Ukraine und die strategische Eindämmung Russlands.
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Verurteilung des Angriffskrieges: Die EU und die USA verurteilen den Krieg als eklatanten Bruch des Völkerrechts und der UN-Charta. Es gibt keine diplomatische oder historische Rechtfertigung für die Invasion eines souveränen Nachbarstaates. Die russische Behauptung der „Entnazifizierung“ oder „NATO-Einkreisung“ wird als zynische Kriegspropaganda zurückgewiesen.
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Strategie der Unterstützung und Sanktionen: Die westliche Reaktion ist dual:
- Unterstützung Kiews: Militärisch (Waffen, Munition), finanziell (Milliardenhilfe für den Staatshaushalt) und humanitär (Aufnahme von Flüchtlingen). Die Unterstützung soll die Ukraine in die Lage versetzen, Russland so hohe Kosten aufzuerlegen, dass Moskau ein Friedensabkommen auf Basis der ukrainischen Bedingungen in Betracht zieht.
- Sanktionen gegen Moskau: Die Sanktionen zielen darauf ab, die russische Wirtschaft und die politische Elite massiv zu schwächen, um die Kriegsmaschinerie zu lähmen (Quelle 2.1).
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Die "Rote Linie" der Eskalation: Der zentrale diplomatische Drahtseilakt des Westens ist das Vermeiden einer direkten Konfrontation mit der Nuklearmacht Russland. Die Unterstützung ist massiv, aber kalibriert. Westliche Länder möchten nicht Kriegspartei werden. Daher gab es lange Zeit Einschränkungen bei der Lieferung von Langstreckenwaffen und deren Einsatzgebiet. Dieses Zögern wird in Kiew als Verlängerung des Krieges empfunden, während es in westlichen Hauptstädten als notwendige Deeskalationspolitik gilt.
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Das Langfristziel: Für die EU geht es nicht nur um die Ukraine, sondern um die Wiederherstellung der europäischen Sicherheitsordnung. Die EU hat der Ukraine eine klare Beitrittsperspektive (Kandidatenstatus) gegeben und stellt umfangreiche Mittel für den Wiederaufbau bereit, um das Land fest in die europäische Familie zu integrieren.
Wir haben nun die Ausgangslage (Fakten), die historische Tiefe und die Perspektiven beider Hauptakteure (Moskau und Kiew/Westen) dargelegt. Der Tisch ist gedeckt für die Analyse der möglichen Ausgänge.
Exkurs I: Der Große Zyklus des Machtwechsels (nach Ray Dalio)
Abseits der Emotionen des Krieges und der moralischen Verurteilung liefert der legendäre Investor Ray Dalio mit seinem Konzept der „Principles for Dealing with the Changing World Order“ eine nüchterne, zyklische Erklärung für die aktuelle globale Unordnung. Diese Sichtweise ist in Moskau und Peking tief verankert und beeinflusst deren Entscheidungen fundamental.
Dalio argumentiert, dass der Aufstieg und Fall von Weltreichen einem „Großen Zyklus“ folgt, der sich über etwa 250 Jahre erstreckt und sich durch bestimmte, wiederkehrende Marker auszeichnet. Wir befinden uns demnach in einer hochgefährlichen Übergangsphase.
1. Der Niedergang (Decline) des Westens
Die USA und die EU, die seit 1945 bzw. seit dem Ende des Kalten Krieges die herrschende Weltordnung (Pax Americana) definiert haben, zeigen laut Dalio klassische Anzeichen einer fortgeschrittenen Phase des absteigenden Zyklus:
- Gesellschaftliche Dekadenz: In den absteigenden Mächten neigen die Menschen kollektiv dazu, nicht mehr so hart zu arbeiten. Sie sind weniger zu Opfern bereit. Trotzdem wollen sie ihren gewohnten Lebensstandard aufrechterhalten.
- Das Schuldenproblem und das Geldsystem: Die absteigenden Mächte finanzieren sichzunehmend über Schulden. Die Zentralbanken sehen sich gezwungen, riesige Mengen an Geld zu drucken, um die Schulden zu bedienen. Dies führt zu einer Entwertung der Reservewährungen (insbesondere des US-Dollars) und zur Aushöhlung des Finanzsystems, das die Basis ihrer globalen Macht darstellt.
- Interne Spaltung: Die westlichen Gesellschaften leiden unter den größten Kluften bei Vermögen, Werten und Politik seit über 100 Jahren. Diese innere Zerrissenheit manifestiert sich in poltitischem Dissens, extremen politischen Strömungen, mindert die Produktivität, schwächt die Regierungsfähigkeit und lenkt damit die Mächte von ihren wahren außenpolitischen Aufgaben ab. Eine nach innen gespaltene Supermacht projiziert Schwäche nach außen.
- Verlust der militärischen Überlegenheit: Obwohl die USA nominell die stärkste militärische Macht sind, holen Konkurrenten wie China (und in Teilen Russland) technologisch und in Bezug auf strategische Rüstung rapide auf.
2. Der Aufstieg (Rise) Chinas
Der Aufstieg Chinas wird als das zentrale, unumstößliche Merkmal der aktuellen Weltordnung betrachtet.
- Wirtschaftlicher und technologischer Vorsprung: China investiert massiv in Bildung, Technologie und Infrastruktur. Es übertrifft die USA in wichtigen Bereichen der Wirtschaft und erlangt stetig Vorsprung in Zukunftsindustrien, was zu einer Verschiebung der globalen ökonomischen Machtachse führt.
- Stabilität und Einigkeit: Während der Westen von internen Konflikten geplagt wird, wird China als eine Macht dargestellt, die durch starke, zentralisierte Führung eine kohärente, langfristige Strategie verfolgen kann.
3. Russlands Rolle: Das Ringen um die multipolare Welt
Innerhalb dieses Machtvakuums und des Übergangs zum multipolaren System wird die Rolle Russlands deutlich. Russland mag militärisch oder wirtschaftlich nicht auf dem Niveau der USA oder Chinas agieren, es ist aber entschlossen, seinen Status als Großmacht und politischer Pol in der neuen Weltordnung zu behaupten.
- Der "Reset"-Versuch: Die Invasion in der Ukraine ist aus dieser Sicht weniger eine lokale Auseinandersetzung, sondern ein aggressiver Versuch, die post-sowjetische, von den USA geführte Weltordnung zu zerstören. Russland agiert dabei als disruptiver Katalysator, der die Schwäche des Westens (dessen Fokus auf interne Probleme) ausnutzt, um die NATO aus seiner Einflusssphäre zurückzudrängen.
- Die Achse der Notwendigkeit: Russland schließt sich de facto – wenn auch nicht ideologisch – dem chinesischen Aufstieg an und bildet eine „Achse der Notwendigkeit“ mit China und anderen anti-westlichen Mächten. Der Ukraine-Krieg beschleunigt damit die Spaltung der Welt in zwei konkurrierende Blöcke.
Der Krieg in der Ukraine ist, in dieser makro-historischen und ökonomischen Betrachtung, lediglich das erste heiße Gefecht einer globalen Machtverschiebung. Es geht nicht primär um die Ukraine selbst, sondern darum, ob die USA als absteigende Macht ihre Position in der internationalen Ordnung noch durchsetzen kann, oder Moskau unterliegt und damit die Ära der westlichen Dominanz vorbei ist.
Exkurs II: Der Inflationsmotor der EU-Geldpolitik
Professor Hans-Werner Sinn, einer der profiliertesten deutschen Ökonomen und langjähriger Präsident des ifo Instituts, hat die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) und ihre Auswirkungen auf die Inflation – und damit auf die gesellschaftliche Stabilität im Westen – wiederholt kritisch beleuchtet und schon vor Jahren eine Inflationsentwicklung prognostiziert, die sich inzwischen bestätigt hat. Seine Darstellung liefert einen wichtigen Kontext, warum die finanzielle Durchhaltefähigkeit des Westens nicht unendlich ist und der im Einklang mit dem oben beschriebenen Niedergang steht.
Die Bilanz des Quantitative Easing
Sinn argumentiert, dass die Grundlage für die heutige Inflationswelle bereits lange vor dem Ukraine-Krieg, nämlich während und nach der Finanzkrise 2008 und massiv in der Corona-Pandemie, gelegt wurde.
- Die Erste Geldvermehrung: Um die Finanzmärkte zu stabilisieren und die Wirtschaft zu stützen (Stichwort: Quantitative Easing – QE), kaufte die EZB in großem Umfang Staatsanleihen auf. Dadurch wurde Liquidität in das System gepumpt, was zu einem enormen Anstieg der Zentralbankgeldmenge führte. Die Bilanzsumme der EZB wuchs explosionsartig.
- Die "Geldlawine" im Wartezustand: Entscheidend bei dieser ersten Phase war jedoch: Das neu geschaffene Geld gelangte noch nicht direkt in den Wirtschaftskreislauf (den sogenannten M3-Bereich, das Geld in den Händen der Bevölkerung und Unternehmen). Es blieb vielmehr als Überschussliquidität in den Konten der Geschäftsbanken, die bei ihren jeweiligen nationalen Zentralbanken (z. B. der Bundesbank) untergebracht waren. Solange diese Liquidität stillgelegt war, wirkte sie nicht inflationär im Sinne eines Anstiegs der Konsumentenpreise. Sie stellte jedoch eine schlafende Geldlawine dar, die nur darauf wartete, losgetreten zu werden. Die EZB hatte damit die Zügel für die Bremskraft der Zinsen aus der Hand gegeben.
Die Umwandlung von Notenbankgeld in Umlaufgeld
Der eigentliche Inflationsschub entsteht nach Sinn erst dann, wenn die Geschäftsbanken diese überschüssigen Reserven verwenden, um Kredite zu vergeben, oder wenn die Staaten die Gelder aktiv in die Wirtschaft pumpen. Hier kommt der Ukraine-Krieg und die Reaktion darauf ins Spiel:
- Der Schock und die Ausgabenfreude: Die Corona-Krise und der Ukraine-Krieg (speziell die Energiekrise) lieferten den Auslöser. Die Staaten mussten massiv in Energie-Entlastungen, Flüchtlingshilfe und vor allem in die militärische Nachrüstung investieren.
- Sondervermögen und Rüstung: Beispielhaft ist das deutsche Sondervermögen von 100 Milliarden Euro für die Bundeswehr. Solche riesigen staatlichen Ausgaben, die zusätzlich zur normalen Verschuldung getätigt werden, erhöhen die Nachfrage im Markt massiv, ohne dass die Produktion (das Angebot) entsprechend schnell steigen könnte.
- Der Multiplikator-Effekt: Wenn der Staat Aufträge für Waffen oder Infrastruktur (z. B. LNG-Terminals) vergibt, fließt das Geld von den Banken in die Wirtschaft, wird zu Löhnen und Gewinnen und damit zu Kaufkraft. Dieses Geld ist nun in Umlauf gekommen.
Die Schlussfolgerung für die Inflation
Die Inflation, die wir seit 2022 erleben, ist aus dieser Sicht eine Kombination aus:
- Angebotsseite: Lieferkettenprobleme und die Energieknappheit.
- Nachfrageseite: Die massiven, staatlich induzierten Ausgabenprogramme, die das stillliegende Notenbankgeld in aktives Umlaufgeld verwandelt und damit die Geldmenge M3 im Verhältnis zur verfügbaren Gütermenge stark vergrößert haben.
Die diplomatische Relevanz: Die Fähigkeit des Westens, die Ukraine langfristig zu finanzieren, hängt direkt von der Glaubwürdigkeit der Währung und der sozialen Stabilität ab. Wenn die Geldvermehrung zur unkontrollierten Inflation führt, schwächt dies die innere Konsistenz der westlichen Allianz (siehe Dalios These von der internen Spaltung). Die Unterstützung Kiews wird in diesem Fall nicht nur eine moralische, sondern eine zunehmend schmerzhafte ökonomische Belastung, die die politische Entschlossenheit in Frage stellen kann.
Gerne. Der Zusammenhang zwischen der Stabilität der Weltwährungen – Dollar und Euro – und der zunehmenden geopolitischen Spannung ist für den Diplomaten von größter Bedeutung. Dies ist die Schnittstelle, an der sich Ökonomie und Militärstrategie treffen.
Hier ist der nächste Abschnitt, der die Verbindung zwischen Währungsrisiko und Konfliktpotential herstellt, gestützt auf die Dalio-Analyse:
Die tödliche Verflechtung: Währungsschwäche als Konflikt-Katalysator
Die Glaubwürdigkeit der Währung ist der letzte und oft stillstehende Pfeiler der globalen Macht. Die von Ray Dalio beschriebene Dekadenz und der Niedergang des Westens manifestieren sich primär in der Aushöhlung des Geldsystems. Diese Erosion schafft eine gefährliche Dynamik, die direkt das außenpolitische Konfliktpotential – insbesondere im Ukraine-Krieg – befeuert.
1. Die Verwundbarkeit des Dollars und die BRICS-Reaktion
Der US-Dollar dominiert seit dem Bretton-Woods-System (und endgültig seit den 1970er Jahren) als globale Leit- und Reservewährung. Er ermöglicht es den USA, Defizite zu finanzieren und Sanktionen als Waffe (Weaponization of the Dollar) einzusetzen.
- Dalio-Theorie: Der Dollar als Schuldenfalle: Dalio sieht die exzessive Geldschöpfung der US-Zentralbank (Fed) als den Beginn des Endes des Dollar-Zyklus. Das Vertrauen in eine Währung schwindet, wenn die Schulden exzessiv steigen und die Zinsen künstlich niedrig gehalten werden, um diese Schulden zu bedienen.
- Die Geopolitische Konsequenz (De-Dollarisierung): Der Westen hat die Sanktionen gegen Russland genutzt, um Moskau vom globalen Finanzsystem abzuschneiden. Aus Sicht Russlands, Chinas und vieler Länder des globalen Südens (BRICS) ist dies der ultimative Beweis, dass der Dollar nicht mehr neutral ist, sondern ein politisches Risiko.
- Folge: Diese Länder streben eine "De-Dollarisierung" an. Sie wickeln Handel vermehrt in ihren eigenen Währungen (z.B. Yuan) oder in Gold ab. Die Schaffung eines parallelen, nicht-westlichen Finanzsystems (Chinas CIPS, vermehrte Goldkäufe) ist eine direkte Reaktion auf die Sanktionen.
- Konfliktpotential: Wenn die Rolle des Dollars als Ultima Ratio der Sanktionspolitik schwindet, verliert der Westen sein schärfstes nicht-militärisches Schwert. Die Hemmschwelle für Aggressionen (wie Russlands Invasion) sinkt, da der befürchtete wirtschaftliche Zusammenbruch durch Sanktionen abgemildert werden kann.
2. Die Euro-Stabilität und die Rolle als "Friedenswährung"
Der Euro steht unter dem Druck des von Prof. Sinn beschriebenen Konstruktionsfehlers: die fehlende fiskalische Einheit gepaart mit den Schuldenrisiken der Mitgliedsstaaten.
- Interne Erosion: Die EZB agiert in einem permanenten Spannungsfeld zwischen den Inflationssorgen Nordeuropas und der Schuldenlast Südeuropas. Dies führt zu einer vermehrt politischen Steuerung der Währung und des Vertrauensverlusts.
- Wirkung auf die Ukraine-Hilfe: Die finanzielle Unterstützung für die Ukraine und die Aufrüstung der NATO-Ostflanke sind immense Ausgabenposten, die über neue Schulden oder die EZB-Bilanz finanziert werden müssen. Die innereuropäische Solidarität (Dalios "interne Spaltung") gerät unter Druck, wenn die Kosten des Krieges und die Inflation die soziale Stabilität gefährden. Die politische Unterstützung für Kiew ist direkt proportional zur finanziellen Leichtigkeit, mit der diese Hilfe geleistet werden kann.
- Konfliktpotential: Eine finanzschwache und intern zerstrittene Europäische Union wirkt auf Moskau weniger entschlossen und weniger fähig zur langfristigen Aufrechterhaltung der Sanktionen und Waffenlieferungen. Die Erwartung Russlands, dass der Westen zuerst aufgrund ökonomischer Probleme ermüdet, basiert auf dieser fundamentalen Währungsschwäche.
3. Die Konflikt-Dynamik des Machtwechsels
Dalio nennt die Übergangsphasen im Großen Zyklus – den Moment, in dem die absteigende Macht (USA/Westen) die aufsteigende Macht (China/BRICS) als Bedrohung wahrnimmt – die gefährlichsten Perioden der Geschichte.
- Der Ukraine-Krieg ist, wie bereits erwähnt, ein Stellvertreterkonflikt in dieser Machtverschiebung.
- Die Währung als Schiedsrichter: Die Stärke (oder Schwäche) des Dollars und des Euro entscheidet über die Geschwindigkeit des Machtwechsels. Wenn der Westen seine Währungen und damit seine Kaufkraft und Sanktionsmacht verliert, beschleunigt dies den Aufstieg des Ostens.
- Das außenpolitische Konfliktpotential steigt exponentiell, weil die alte Ordnung mit Waffengewalt verteidigt werden muss, wenn die Instrumente der Finanzmacht versagen. Das schwindende Vertrauen in das Fiat-Geld des Westens zwingt die Akteure, wieder stärker auf die Hard Power (Militär) zu setzen.
Exkurs III: Das gläserne Schlachtfeld – Der Wandel der Kriegsführung
Der Konflikt in der Ukraine hat sich schnell zum ersten umfassenden, hochintensiven Krieg der digitalen Ära entwickelt. Er ist ein Schaufenster für die künftige Kriegsführung und beweist, dass viele militärische Dogmen des 20. Jahrhunderts obsolet geworden sind. Die zentrale Erkenntnis: Das Schlachtfeld ist gläsern geworden.
1. Die Drohne als Königin des Kampfes
Die weitreichendste Veränderung ist die allgegenwärtige Rolle unbemannter Luftfahrzeuge (UAVs) – von winzigen FPV-Drohnen (First-Person View) für den Frontalangriff bis zu hochpräzisen Aufklärungsdrohnen.
- Das Ende von Tarnen und Täuschen: In früheren Konflikten boten Tarnung und Versteck große Überlebenschancen. Im Ukraine-Krieg ist das kaum noch möglich. Tausende von Drohnen überwachen permanent die Frontlinie und das Hinterland. Jede größere Bewegung – ein Panzerkonvoi, eine Versorgungsbasis, ein Artilleriegeschütz – wird nahezu sofort entdeckt. Das Prinzip des Überraschungsangriffs ist massiv erschwert, da der Himmel nicht mehr nur den bemannten Flugzeugen gehört, sondern von einer Vielzahl billiger, kleiner Sensoren dominiert wird.
- Die "Kill Chain" verkürzt sich: Drohnen identifizieren ein Ziel, übermitteln die Koordinaten in Echtzeit an die Artillerie oder die eigene Kampfdrohne. Die Zeitspanne zwischen Entdeckung und Zerstörung – die sogenannte "Kill Chain" – verkürzt sich von Stunden auf Minuten oder gar Sekunden.
2. Die Entwertung von Panzerung und Masse
Die traditionelle militärische Stärke – schwere Panzer, geschützte Stellungen – wird durch die Drohnentechnologie entwertet.
- Die Schwäche von oben: Drohnen sind oft klein und leicht zu übersehen. Ihre Angriffe richten sich gegen die dünnste Panzerung eines Panzers oder Fahrzeugs: die Oberseite. Eine günstige FPV-Drohne kann eine präzise Waffe in die Lüftergitter oder auf das Turmdach eines 10-Millionen-Euro-Panzers steuern und ihn außer Gefecht setzen. Dies stellt die militärischen Investitionslogiken der letzten 50 Jahre in Frage.
- Der Schutz durch Mobilität: Der beste Schutz ist nicht mehr die dicke Panzerung, sondern die ständige Bewegung und das schnelle Verlassen der Stellung (Shoot-and-Scoot). Wer länger als einige Minuten an einem Ort verweilt, riskiert, von einer Drohne entdeckt und von Artillerie beschossen zu werden.
3. Der Kampf um das Spektrum: Elektronische Kriegsführung (EW)
Um die Gefahr der Drohnen zu mindern, hat die elektronische Kriegsführung (EW) eine zentrale Rolle eingenommen:
- Störsender (Jamming): Beide Seiten setzen massive Störsender ein, um die Funkverbindungen der gegnerischen Drohnen zu kappen, ihre GPS-Navigation zu fälschen oder ihre Kommunikation zu unterbrechen. Dieser Kampf um das elektromagnetische Spektrum ist oft unsichtbar, aber entscheidend für den militärischen Erfolg.
- Resilienz der Systeme: Die Fähigkeit, EW-Angriffe zu überwinden (z. B. durch Satellitenkommunikation wie Starlink oder durch ständig wechselnde Frequenzen), ist heute so wichtig wie die Qualität der Waffe selbst.
4. Mensch und KI am Rande der Automatisierung
Der Ukraine-Krieg zeigt, dass die militärische Effizienz heute stark von der Vernetzung der Schlachtfelder abhängt.
- Vernetzte Führung: Mithilfe von zivilen Technologien und Apps wird es den Kommandeuren ermöglicht, die Stellungen der eigenen Truppen, die feindlichen Ziele (von Drohnen markiert) und die verfügbaren Artillerieeinheiten in Echtzeit auf einem Tablet zu sehen und Feuerbefehle in Sekundenschnelle zu koordinieren.
- Die nächste Stufe: Die ständige Überwachung des gesamten Raumes durch KI-gestützte Systeme wird die Entscheidungsfindung immer stärker automatisieren. Die Rolle des Soldaten wandelt sich vom Schützen zum Datenanalysten und Drohnenpiloten.
Diese neue Art der Kriegsführung macht klar: Das Erzielen eines schnellen, entscheidenden militärischen Durchbruchs wird immer schwieriger. Die Verteidigung hat durch die Drohnentechnologie einen vorübergehenden Vorteil erlangt, was maßgeblich zur aktuellen Pattsituation im Stellungskrieg beiträgt.
Da sich der Konflikt militärisch derzeit als ziemlich festgefahren darstellt, stellt sich die Frage nach möglichen Eskalationsstufen. Das ist ein notwendiger, wenn auch düsterer Punkt für die diplomatische Analyse. Wir müssen die Eskalationsleiter kennen, um ihr entgegenzuwirken.
Die aktuelle Situation
Die ökologische Bilanz des Krieges
Neben der menschlichen und ökonomischen Tragödie verursacht der Krieg in der Ukraine eine massive, oft irreversible Umweltzerstörung, die weit über die Grenzen des Landes hinausreicht. Der Konflikt hinterlässt eine "verbrannte Erde" und eine katastrophale CO2-Bilanz.
- Treibhausgas-Emissionen: Expertenschätzungen zufolge hat der Krieg bereits über 175 Millionen Tonnen $\text{CO}_2$ (Kohlendioxid-Äquivalente) freigesetzt. Diese Emissionen stammen nicht nur aus dem direkten Kampfgeschehen (Munition, Treibstoffverbrauch der Militärfahrzeuge und Flugzeuge), sondern auch aus der Wiederaufbauphase, dem massiven Flugverkehr zur Waffen- und Hilfslieferung sowie der Wald- und Flächenbrände, die durch Artilleriebeschuss ausgelöst werden.
- Zerstörung kritischer Ökosysteme: Die Frontlinien verlaufen durch wichtige Naturreservate und Wälder. Der intensive Artilleriebeschuss hat den Boden durch Metalle und chemische Rückstände (etwa von Treibstoffen und Explosivstoffen) großflächig kontaminiert. Zudem wurden Industrieanlagen und Depots getroffen, was zur Freisetzung von toxischen Chemikalien in Luft und Wasser führte.
- Das Problem der Minen: Millionen von Landminen und nicht explodierten Kampfmitteln machen riesige Agrarflächen unbrauchbar und gefährden die Biodiversität langfristig.
Die Umweltzerstörung in der Ukraine ist damit nicht nur ein lokales Problem, sondern ein globaler Klimafaktor, der die Bemühungen zur Begrenzung der Erderwärmung konterkariert und die Sanierung des Landes auf Generationen hinweg zu einer gewaltigen ökologischen und finanziellen Aufgabe macht.
Die innere Front: Die Müdigkeit der ukrainischen Gesellschaft
Der ukrainische Widerstand, anfangs eine Welle nationaler Einheit, kämpft heute gegen eine Erosion der inneren Front. Die größte Gefahr für Kiew ist nicht nur die russische Armee, sondern die Kriegsmüdigkeit des eigenen Volkes. Mit hunderttausenden Opfern, einem Mangel an klaren militärischen Durchbrüchen und dem Druck einer immer schwierigeren Mobilisierung sinkt die anfängliche Moral. Die demografische Last des Krieges (Flucht und Generationenverlust) und die wahrgenommene Ungleichheit bei den Opfern untergraben das Vertrauen. Moskau setzt strategisch darauf, dass diese innere Müdigkeit und die schwindende Hoffnung auf einen Sieg dazu führen, dass die ukrainische Gesellschaft vor dem westlichen Unterstützungsapparat zusammenbricht.
Friedenspläne
Die einzigen, inoffiziellen Entwürfe für ein Ende des Konflikts, wie der viel diskutierte 28-Punkte-Plan, belegen, wie schwierig es ist, den Krieg zu beenden. Solche Pläne sehen fast immer vor, dass die Ukraine deutliche Zugeständnisse – insbesondere die Anerkennung der territorialen Realitäten (Krim, Teile des Ostens) – hinnehmen muss, um die unmittelbare russische Aggression zu beenden. Im Gegenzug würde Kiew gewisse Sicherheitsgarantien und finanzielle Hilfen für den Wiederaufbau erhalten. Solche Entwürfe stellen eine große diplomatische Herausforderung dar: Wie lässt sich ein Kompromiss erzielen, der die existenzielle Souveränität der Ukraine nicht verrät und gleichzeitig die Gesichtswahrung Moskaus erlaubt? Solange diese Pläne von Kiew als „Kapitulation unter Zwang“ und von Moskau als „Minimum“ interpretiert werden, bleiben sie diplomatische Notizen, die das eigentliche Problem – die fehlende gemeinsame Basis – nicht lösen.
Der 28-Punkte-Plan ist z.B. ein Versuch, die russischen Sicherheitsinteressen und die ukrainische Souveränität unter einen Hut zu bringen, wobei der territoriale Status quo der russischen Kontrolle weitgehend akzeptiert wird.
1. Territoriale Zugeständnisse und Grenzziehung
- Anerkennung der Realität: Die Ukraine müsste auf die Krim und die Regionen Donezk und Luhansk verzichten (abtreten).
- Gebietsteilung: Auch in Teilen der Regionen Cherson und Saporischschja soll eine Teilung entlang der aktuellen Frontlinien erfolgen.
- Rückzug: Im Gegenzug würde sich Russland aus anderen Gebieten, wie Teilen von Charkiw und Sumy, zurückziehen.
- AKW Saporischschja: Das Atomkraftwerk würde der Internationalen Atomenergiebehörde (IAEA) unterstellt.
2. Sicherheitspolitische und Militärische Beschränkungen (Russlands Hauptanliegen)
- Neutrale Ukraine: Die Ukraine muss in ihrer Verfassung festschreiben, dass sie der NATO nicht beitritt. Die NATO wiederum muss erklären, die Ukraine auch künftig nicht aufzunehmen und keine Truppen in der Ukraine zu stationieren.
- Begrenzung der Streitkräfte: Die Größe der ukrainischen Streitkräfte soll auf eine Obergrenze von 600.000 Soldaten (ursprünglich war auch eine Halbierung im Gespräch) reduziert werden.
- Waffenbeschränkung: Die Ukraine soll keine weitreichenden Waffensysteme besitzen, die Russland als bedrohlich ansieht (hier sind möglicherweise Mittelstreckenraketen und bestimmte Drohnen gemeint).
- Nichtangriffspakt: Ein umfassendes Nichtangriffsabkommen zwischen Russland, der Ukraine und Europa soll geschlossen werden.
3. Sicherheitsgarantien und Finanzierung (Ukrainisches und westliches Anliegen)
- Verlässliche Sicherheitsgarantien: Die Ukraine erhält verlässliche Sicherheitsgarantien durch die USA (wobei die genaue Natur dieser Garantien vage bleibt). Diese Garantien sollen erlöschen, falls die Ukraine Russland angreift.
- Sanktions-Reset: Sollte Russland die Ukraine nach dem Abkommen erneut angreifen, treten alle Sanktionen wieder in Kraft.
- Wiederaufbau: Es sind massive Investitionen (in der Größenordnung von 200 Mrd. USD, teils unter Führung der USA und der EU) in den Wiederaufbau der Ukraine vorgesehen, was als eine Art Entschädigungsleistung interpretiert werden könnte.
- EU-Beitritt: Ein EU-Beitritt der Ukraine soll weiterhin möglich sein.
4. Politischer und Humanitärer Abschluss
- Amnestie: Alle am Konflikt beteiligten Parteien erhalten eine volle Amnestie.
- Austausch: Gefangene und Tote sollen nach dem Prinzip „alle gegen alle“ ausgetauscht werden.
- Wahlen: 100 Tage nach Abschluss des Abkommens sollen in der Ukraine Wahlen stattfinden.
Der Plan zielt also eindeutig darauf ab, einen Kriegsaustritt Russlands zu gewährleisten, ohne dass Moskau sein Gesicht verliert, während er Kiew territoriale und souveränitätseinschränkende Opfer abverlangt.
Die Eskalationsleiter: Der Marsch zum nuklearen Abgrund
Die größte Gefahr im Ukraine-Krieg ist nicht die taktische Pattsituation, sondern die inhärente Tendenz, dass ein begrenzter Konflikt unkontrolliert eskaliert. Die russische Nukleardoktrin, die Bedrohung eines NATO-Beitritts der Ukraine und die Lieferungen immer potenterer Waffen durch den Westen bilden eine explosive Mischung. Die Eskalationsstufen lassen sich wie folgt einteilen:
Stufe 1: Konventionelle Eskalation (Bereits im Gange)
Dies betrifft eine Intensivierung des Krieges, ohne direktes Eingreifen von NATO-Truppen.
- Vergrößerung des Kampfgebiets: Russland könnte versuchen, die ukrainische Infrastruktur (Eisenbahn, Elektrizität, Kommunikationszentren) in den bisher relativ sicheren westlichen Regionen (z. B. Lwiw) massiv zu zerstören, um die Logistik der NATO-Waffenlieferungen zu unterbrechen.
- Lieferung westlicher Waffen mit großer Reichweite: Der Westen liefert Marschflugkörper, die Ziele tief auf russischem Territorium (Krim, Schwarzmeerflotte, Kommandozentralen) erreichen könnten. Die Nutzung dieser Waffen für Angriffe auf militärische Anlagen in der von Russland völkerrechtswidrig annektierten Gebieten oder sogar auf international anerkanntes russisches Staatsgebiet würde eine massive rote Linie überschreiten.
- Eingriff von „Nicht-NATO“-Alliierten: Die Entsendung von Militärberatern oder kleineren Kontingenten aus NATO-Staaten (z. B. Frankreich, Polen) in die Ukraine, um Logistik oder Ausbildung zu übernehmen. Moskau würde dies als de facto Kriegseintritt werten.
Stufe 2: Direkte (aber begrenzte) Konfrontation zwischen Russland und NATO
Hier ist die Gefahr eines Flächenbrandes am größten, da direkte Auseinandersetzungen beginnen.
- Angriff auf NATO-Logistik: Russland greift eine NATO-Waffenlieferung direkt auf NATO-Gebiet (z. B. ein polnischer Bahnhof oder Konvoi nahe der Grenze) an, unter Berufung auf das Recht zur Selbstverteidigung gegen militärische Bedrohungen. Dies würde Artikel 5 des NATO-Vertrags auslösen, könnte aber von NATO-Staaten zunächst als begrenzter Angriff gewertet werden (mit dem Ziel, eine umfassende Vergeltung zu vermeiden).
- Luftraumverletzungen und Grenzzwischenfälle: Zunehmende Konfrontationen in der Ostsee oder im Schwarzen Meer zwischen russischen und NATO-Luft- oder Seestreitkräften. Die bewusste oder unbewusste Verletzung von Hoheitsgebieten, die zu einem Abschuss führen könnte.
- Cyber-Kriegsführung: Russland führt einen massiven Cyberangriff auf kritische Infrastruktur eines NATO-Staates (z. B. das Stromnetz oder Finanzsystem) durch, der zu Todesopfern oder katastrophalen Schäden führt. Die NATO müsste entscheiden, ob dies bereits ein bewaffneter Angriff im Sinne von Artikel 5 ist.
Stufe 3: Nicht-strategische (Taktische) Nukleareskalation
Dies ist die Schwelle, die seit 1945 nicht mehr überschritten wurde. Taktische Nuklearwaffen sind für den Einsatz auf dem Schlachtfeld gegen militärische Ziele gedacht, um eine konventionelle Niederlage zu verhindern oder einen politischen Schock auszulösen.
- Der Auslöser: Russland sieht sich an einem Punkt, an dem die Erzielung der Kriegsziele (z. B. die Kontrolle über die annektierten Gebiete) oder die Existenz des Regimes unmöglich wird. Die Nukleardoktrin Russlands erlaubt den Einsatz von Atomwaffen als „letztes Mittel, um die staatliche Souveränität zu gewährleisten“.
- Die Anwendungsszenarien:
- Demonstrativer Schlag: Detonation einer nuklearen Waffe über unbewohntem Gebiet (z. B. das Schwarze Meer oder ein unbewohntes Gebiet in Sibirien), um dem Westen die Entschlossenheit Moskaus zu signalisieren.
- Taktischer Einsatz gegen Ukraine: Einsatz einer niedrigen Sprengkraft gegen einen militärischen Knotenpunkt, ein ukrainisches Großaufmarschgebiet oder einen tief unter der Erde liegenden Bunker.
- Die westliche Reaktion: Die NATO stünde vor der schwierigsten Entscheidung der Geschichte. Eine Nicht-Reaktion würde Russlands Nuklear-Tabubruch akzeptieren. Eine nukleare Reaktion würde das Ende der Zivilisation bedeuten. Wahrscheinlicher wäre eine massive, konventionelle Vergeltung der NATO gegen die russischen Einheiten in der Ukraine, ohne selbst Atomwaffen einzusetzen, um die Eskalation kontrolliert zu halten.
Stufe 4: Strategische (Globale) Nukleareskalation
Dieser Schritt bedeutet den Einsatz von Interkontinentalraketen (ICBMs) gegen das Heimatland des Gegners, was zu einem umfassenden nuklearen Holocaust führen würde.
- Die Endstufe: Die NATO beschließt nach einem taktischen Nuklearschlag eine Vergeltung, die Russland als existentielle Bedrohung interpretiert, oder eine Kommunikationskette bricht zusammen. Ein strategischer Schlag auf das NATO-Territorium (z. B. US-Stützpunkte in Europa) löst die gegenseitig zugesicherte Zerstörung (MAD) aus. Das Ende der Eskalationsleiter ist die globale Katastrophe.
Jede diplomatische Initiative muss darauf abzielen, eine Rückkehr zu Stufe 0 zu ermöglichen. Die Eskalationsleiter ist ein Gefälle; es gibt kaum sichere Stufen, auf denen man anhalten kann. Die Gefahr liegt darin, dass eine der Kriegsparteien die taktische nukleare Schwelle niedriger ansetzt als die andere. Hier gilt die Weisheit: "Die Menschheit muss dem Krieg ein Ende setzen, sonst setzt der Krieg der Menschheit ein Ende."
Der Einfluss Deutschlands auf den Konflikt, seine geostrategische Verwundbarkeit und seine Rolle in einer potenziellen Eskalation sind von entscheidender Bedeutung. Deutschland ist heute nicht nur ein Verbündeter, sondern der zentrale logistische und finanzielle Pfeiler der westlichen Unterstützung.

Die deutsche Achse: Logistisches Drehkreuz und geopolitisches Ziel
Deutschland spielt in diesem Konflikt eine ambivalente Rolle: Während es aufgrund seiner historischen Last und seiner pazifistischen Nachkriegskultur lange zögerlich agierte, ist es heute de facto die logistische Hauptschlagader der NATO-Hilfe und der größte europäische Beitragszahler. Diese zentrale Stellung macht es im Falle einer Eskalation zu einem unvermeidlichen Ziel.
Die Geopolitische und Logistische Rolle
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Das Logistische Drehkreuz: Geographisch liegt Deutschland im Herzen Europas und fungiert als "Versorgungsbasis" und "Brücke" für die gesamten NATO-Waffenlieferungen in die Ukraine.
- Ausbildungszentrum: Ein Großteil der ukrainischen Soldaten wird in Deutschland oder auf deutschen Basen in anderen NATO-Staaten ausgebildet.
- Waffenwartung: Deutsche Werften und Instandhaltungseinrichtungen reparieren und warten westliche Waffensysteme (Panzer, Artillerie).
- Truppenverlegung: Im Falle eines Konflikts im Osten ist Deutschland der zentrale Aufmarschraum (Staging Area) für US-Truppen, die über den Atlantik kommen, bevor sie nach Polen oder in das Baltikum verlegt werden. Die US-Basen (z. B. Ramstein, Grafenwöhr) sind essenzielle Knotenpunkte.
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Der Finanzielle Anker: Als größte Volkswirtschaft der EU ist Deutschland der Hauptgarant für die finanzielle und wirtschaftliche Stabilität des europäischen Solidaritätskorridors. Der "Wille" Deutschlands zur Fortführung der Hilfe ist für Kiew und Washington strategisch wichtiger als die Unterstützung vieler kleinerer EU-Staaten.
Ziele bei einer russischen Eskalation
Im Falle einer eskalierenden, direkten Konfrontation (Stufe 2 der Eskalationsleiter) würde Russland keine großflächige Invasion Deutschlands anstreben – dies wäre ein strategischer und nuklearer Selbstmord. Stattdessen würde der Gegner präzise, asymmetrische und disruptive Schläge führen, um die Unterstützungsachse zu durchtrennen und die deutsche Gesellschaft zu destabilisieren.
1. Militärische und Logistische Ziele (Ziele zur Lähmung der NATO)
Diese Ziele dienen dazu, die Fähigkeit Deutschlands zur Unterstützung Kiews und zur Verteidigung der Ostflanke zu zerstören.
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Militärische Drehkreuze und Basen:
- US-Basen (Ramstein, Grafenwöhr): Diese Standorte sind kritisch für Kommando, Kontrolle, Kommunikation (C3) und Logistik. Ein erfolgreicher Schlag würde die transatlantische Nachschubkette unterbrechen.
- Waffenlager und Wartungszentren: Standorte, an denen die Patriot-Systeme, Leopard-Panzer oder Taurus-Marschflugkörper gelagert oder gewartet werden. Die Zerstörung würde die Schlagkraft der ukrainischen Armee mindern.
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Verkehrsinfrastruktur (Logistik):
- Häfen (Hamburg, Bremerhaven): Entscheidend für die Ankunft von US-Material.
- Eisenbahnknotenpunkte und Brücken: Gezielte Angriffe auf Schlüsselbrücken über den Rhein oder die Elbe könnten den schnellen Truppen- und Materialtransport nach Osten massiv behindern.
2. Kritische Zivile Infrastruktur (Ziele zur Destabilisierung der Gesellschaft)
Diese Ziele dienen dazu, Chaos zu erzeugen, die Dalio-Dekadenz zu beschleunigen und den politischen Willen zur Kriegsführung zu brechen.
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Energie und Kommunikation:
- Unterseekabel: Kabel in Nord- und Ostsee, die die transatlantische und innereuropäische Kommunikation tragen. Eine Störung würde finanzielle Transaktionen und militärische Kommunikation massiv erschweren.
- Stromnetze und Rechenzentren: Gezielte Cyber-Angriffe oder Sabotage an Umspannwerken und Rechenzentren, um Teile des Landes lahmzulegen.
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Führung und Finanzzentren:
- Regierungsviertel in Berlin: Symbolische und faktische Ziele, um die politische Entscheidungsfindung zu stören.
- EZB in Frankfurt/Börse: Die Lähmung des Finanzzentrums würde die ökonomische Instabilität maximieren, was die Angst vor einer Hyperinflation (siehe Sinn-Analyse) schürt.
Die Bedrohung Deutschlands wäre also primär asymmetrisch und darauf ausgelegt, die Funktion des Landes als Logistikhub zu neutralisieren und die Gesellschaft psychologisch zu destabilisieren. Der Gegner weiß, dass ein militärisches Erstarken Deutschlands ohne stabile Infrastruktur und soziale Akzeptanz nicht möglich ist. Dass gerade jetzt wieder stark in die Infrastruktur investiert werden soll, hat zumindest den Beigeschmack, es könne sich hier auch um Kriegsvorbereitung handeln.
Exkurs IV: Die entflochtene Abhängigkeit – Der Schock der Sanktionen
Die wirtschaftlichen Beziehungen zwischen Russland und der EU waren über Jahrzehnte nach einem einfachen Prinzip organisiert: Russland liefert Rohstoffe, Europa liefert Technologie und Kapital. Diese symbiotische Verflechtung wurde durch den Krieg abrupt und brutal durchtrennt, mit massiven Schockwellen für beide Seiten.
1. Die Energie-Achse: Die EU als größter Abnehmer
Vor der Invasion war die Energieversorgung das Zentrum der Verflechtung. Russland nutzte diese Abhängigkeit als geopolitisches Druckmittel, während die EU von günstigen und stabilen Lieferungen profitierte.
- Erdgas: Die Abhängigkeit Europas war am größten. Im Jahr 2021 stammten über 40% der EU-Gasimporte aus Russland. Länder wie Deutschland, Tschechien und Österreich waren besonders stark betroffen. Die Zerstörung der Nord Stream-Pipelines und die russische Drosselung der Lieferungen war der größte energiepolitische Schock seit den 1970er Jahren und führte zur akuten Energiekrise 2022.
- Erdöl: Die EU war auch der größte Abnehmer russischen Rohöls. Sanktionen (Ölembargo) und die Einführung einer Preisobergrenze (G7 Price Cap) haben diese Lieferungen stark reduziert, aber nicht vollständig beendet. Russland verkauft sein Öl nun verstärkt an China und Indien (mit Preisabschlägen), während Europa teures Öl aus den USA, dem Nahen Osten und anderen Quellen importiert.
- Nukleare Brennstoffe: Eine weniger beachtete, aber kritische Abhängigkeit besteht bei den Kernbrennstäben und der Urananreicherung. Viele europäische und osteuropäische Kernkraftwerke (die noch auf sowjetischer Technologie basieren) sind auf russische Dienstleistungen und Brennstoffe angewiesen. Trotz der Sanktionen wurde dieser Bereich oft ausgespart, da eine sofortige Umstellung die Energiesicherheit weiter gefährdet hätte.
2. Der Rohstoffkrieg: Metalle und Seltene Erden
Russland ist ein bedeutender Lieferant wichtiger Industriemetalle, die für die europäische Produktion unverzichtbar sind.
- Palladium: Ein Schlüsselmetall für Katalysatoren in Autos und Elektronik. Russland ist der größte oder zweitgrößte Produzent weltweit.
- Nickel und Aluminium: Russland ist ein wichtiger Produzent dieser Metalle, die in der Luftfahrt, der Automobilindustrie und in Batterien benötigt werden.
- Titan: Für die europäische Luft- und Raumfahrtindustrie war Russland eine zentrale Quelle. Die Suche nach alternativen Lieferketten ist teuer und zeitintensiv.
Die Sanktionen haben Europa dazu gezwungen, Lieferketten zu diversifizieren. Dies ist strategisch durchaus sinnvoll, führt aber kurzfristig zu höheren Kosten und hat die Inflation noch zusätzlich befeuert.
3. Sonstige Dienstleistungen und Technologie
Die Verflechtung erstreckte sich auch auf den Dienstleistungssektor:
- Finanzwesen: Vor dem Krieg war London ein wichtiges Zentrum für russische Anleihen und Vermögensverwaltung (Londongrad). Die Sanktionen haben die russischen Großbanken (VTB, Sberbank) vom SWIFT-System getrennt, was den internationalen Zahlungsverkehr fast unmöglich macht.
- IT und Software: Russland war ein Lieferant für spezialisierte IT-Dienstleistungen und Fachkräfte. Der Abzug westlicher IT-Konzerne (Microsoft, SAP, Oracle) aus Russland hat dort zu einer Beschleunigung der Entwicklung eigener, autarker IT-Lösungen geführt, während der Westen IT-Sicherheitsprobleme befürchtet.
4. Die Bilanz
Die Trennung dieser Verflechtungen, die längst nicht abgeschlossen ist, hat die EU hart getroffen, da sie schnell Alternativen für die Energie finden musste. Dies ist bisher nur zum Teil gelungen, aber zu extrem hohen Kosten.
Russland wiederum hat seine Einnahmequellen (durch den Verkauf zu niedrigeren Preisen an andere Länder) stabilisiert, aber den Zugang zu westlicher Spitzentechnologie und essenziellen Wartungsdienstleistungen (z. B. für die Öl- und Gasförderung) verloren. Dies führt mittelfristig zu einem Rückgang der Produktivität und technologischen Stagnation.
Die Verflechtung der Vergangenheit wird zunehmend zerstört. Die Herausforderung der Zukunft ist es, wieder neue Synergismen zu finden und aufzubauen, wenn es die politischen System zulassen.
Das Ende der Tragödie: Drei Szenarien für den Ausgang des Krieges
Sowohl Wladimir Putin als auch Volodymyr Selenskyj würden gerne als die siegreichen Helden aus dem Konflikt herausgehen. Ein Krieg endet aber selten, wie er geplant wurde. Er endet, wenn eine der Parteien überzeugt ist, dass die Kosten des Weiterkämpfens die Kosten des Aufgebens übersteigen. Angesichts der gläsernen Schlachtfelder (Exkurs III) und der wirtschaftlichen Zerrissenheit (Exkurse II, IV) sind die möglichen Ausgänge stark begrenzt und alle von tiefgreifender Ungewissheit geprägt.
Szenario I: Der Kalte Frieden (Einfrieren des Konflikts) – Das wahrscheinlichste Ergebnis
Dies ist das Ende, das am ehesten eintritt, wenn weder Kiew noch Moskau die militärische Kraft für einen entscheidenden Durchbruch besitzen und der Westen aufgrund interner ökonomischer Spannungen (Exkurs II) in seiner Unterstützung ermüdet.
- Der Ablauf: Die Front stabilisiert sich entlang der aktuellen (oder einer leicht verschobenen) Kontaktlinie und verfestigt sich zu einer neuen "Kontroll-Linie" mit tiefen Minenfeldern (Prolog). Die Kämpfe der intensiven Art hören auf, gehen aber in einen dauerhaften, niedrigschwelligen Konflikt (Artilleriegefechte, Drohnenkrieg) über. Eine formelle Friedenserklärung oder ein umfassendes Abkommen gibt es nicht.
- Die Realität vor Ort: Russland behält die Kontrolle über die annektierten Gebiete (Krim, Teile des Südens und Ostens). Die Ukraine verzichtet nicht formell auf dieses Gebiet, übt aber keine effektive Kontrolle mehr aus.
- Die Geopolitische Konsequenz:
- Die neue Mauer: Europa erhält eine neue, scharfe Trennlinie. Die NATO-Ostflanke wird massiv und dauerhaft aufgerüstet, da die Gefahr einer Wiederaufnahme der Invasion jederzeit besteht.
- Kein Frieden, nur Pause: Dieses Szenario belohnt Russlands Aggression durch den de facto Besitz der eroberten Gebiete. Es würde keine Entspannung zwischen Russland und dem Westen geben, sondern eine Fortsetzung des kalten Krieges mit dauerhaften Sanktionen (Exkurs IV). Die Ukraine wird zwar nicht NATO-Mitglied in den besetzten Gebieten, erhält aber möglicherweise Sicherheitsgarantien der NATO-Staaten für das freie ukrainische Territorium.
- Das Ökonomische Dilemma: Der Westen muss die Ukraine dauerhaft finanziell stützen und gleichzeitig die Aufrüstung (Deutschlands "Sondervermögen") finanzieren. Dies belastet die Währungsstabilität und die Haushalte in Zeiten der Inflation und Schuldenlast (Exkurs II).
Szenario II: Der Militärische Durchbruch (Sieg durch Zusammenbruch) – Am wenigsten wahrscheinlich
Dieses Ende erfordert eine tektonische Verschiebung der Kräfte, entweder durch eine ukrainische Offensive oder einen russischen Kollaps.
A. Sieg durch die Ukraine (Rückgewinnung von Territorium)
- Der Ablauf: Der Westen liefert in kurzer Zeit ausreichend Langstreckenwaffen und Luftverteidigungssysteme, um Russlands Nachschublinien systematisch zu zerstören. Die ukrainische Armee nutzt eine neue technologische Überlegenheit (Drohnen/KI-Vorteil) für einen schnellen Durchbruch, der die russische Armee zu einem ungeordneten Rückzug zwingt.
- Die Konsequenz: Dies würde die Verhandlungsbereitschaft des Kreml dramatisch erhöhen. Moskau wäre gezwungen, die besetzten Gebiete (mit Ausnahme der Krim) aufzugeben.
- Die Eskalationsgefahr: Dieser Weg birgt die höchste Gefahr der atomaren Eskalation (Exkurs V). Angesichts einer drohenden konventionellen Niederlage (die Putin als existentielle Bedrohung ansehen würde), ist die Wahrscheinlichkeit eines taktischen Atomschlags nach russischer Nukleardoktrin am größten.
B. Sieg durch Russland (Kollaps der Ukraine-Unterstützung)
- Der Ablauf: Die westliche Unterstützung bricht aufgrund interner politischer Zerrissenheit (USA/EU) und ökonomischer Not (Inflation, Schulden) zusammen. Russland nutzt seine größere Bevölkerungszahl und Produktionskapazität (Wirtschaft der Zermürbung), um die ukrainischen Linien langsam zu überrollen.
- Die Konsequenz: Kiew ist gezwungen, alle Gebiete aufzugeben und wird zu einem marionettenhaften Pufferstaat, der seine Westanbindung verliert.
- Die Geopolitische Katastrophe: Dies würde die Glaubwürdigkeit der NATO irreversibel beschädigen und Russland signalisieren, dass Aggression sich lohnt. Die russische Dominanz in Osteuropa würde wiederhergestellt, was die Wahrscheinlichkeit zukünftiger Konflikte mit den baltischen Staaten oder Polen drastisch erhöht.
Szenario III: Der Verhandelte Frieden (Die diplomatische Lösung) – Die unwahrscheinlichste Hoffnung
Dieser Ausgang wäre das Ideal, erfordert jedoch eine Veränderung der maximalistischen Ziele beider Seiten (siehe oben - Standpunkte Putin vs. Selenskyj).
- Der Ablauf: Eine echte Patt-Situation tritt ein, in der die militärischen Kosten für beide Seiten so hoch sind, dass der politische Druck in Moskau und Kiew (und dem Westen) die Verhandlungen erzwingt. Ein dritter Akteur (z. B. China oder die Türkei) muss einen glaubwürdigen Rahmen bieten.
- Das Kompromissmodell:
- Ukraine: Erhält massive Sicherheitsgarantien (ohne volle NATO-Mitgliedschaft, aber mit de facto-Verteidigung), um zukünftige Angriffe zu verhindern.
- Russland: Erhält eine Art Status-quo-Anerkennung der Krim, aber muss die anderen besetzten Gebiete verlassen.
- Die Neutralität: Die Ukraine verpflichtet sich zur Neutralität (kein NATO-Beitritt), aber zur EU-Mitgliedschaft und uneingeschränkten Selbstverteidigungsfähigkeit.
- Das Haupthindernis: Keiner der beiden Führer kann momentan einen solchen Kompromiss politisch überleben. Putin kann keinen Rückzug, Selenskyj keine Landabtretung akzeptieren. Die tief verwurzelten historischen Narrative und die gigantischen Verluste (Prolog) haben eine moralische Schwelle errichtet, die Verhandlungen verbietet.
Die Illusion der Pufferzone
Der Traum von einer neutralen Ukraine als stabiler Pufferzone zwischen NATO und Russland ist nüchtern betrachtet eine Illusion, die dem fundamentalen Prinzip der Macht widerspricht. Es gibt sowohl innerhalb der Gesellschaft als auch in der internationalen Politik kein Machtvakuum. Eine Zone, die keine dominante Machtstruktur besitzt und nicht durch ein scharfes, glaubwürdiges Sicherheitsgarantiesystem geschützt wird, bildet eine Machtlücke. Es liegt in der Natur der Macht – ob politisch, militärisch oder ökonomisch – sich auszubreiten und jede Lücke zu schließen. Ein solcher neutraler Raum würde von beiden Seiten nicht als dauerhafte Entspannungszone, sondern als Einfallstor und potenzielle Einflusszone angesehen werden. Die Vergangenheit hat gezeigt: Wenn die Ukraine nicht durch einen mächtigen Block abgesichert ist, wird sie zwangsläufig zum Spielball und potenziellen Expansionsgebiet des mächtigeren Nachbarn. Die Frage ist nur, wer die Macht in Kiew ausübt, bzw. ausüben wird.
Fazit
Wenn wir alle Faktoren abwägen – die Sicht Kiews und Moskaus, die ökonomische Last des Westens und die militärtechnologische Pattsituation –, ist das Einfrieren des Konflikts (Szenario I) der traurigste und wahrscheinlichste Ausgang. Dieser Konflikt wird nicht mit einem feierlichen Friedensvertrag enden, sondern mit einem erschöpften Schweigen. Wenn es so ausgehen sollte, können wir uns jeden Tag, den der Krieg andauert, fragen: Hätten wir das nicht auch mit viel weniger menschlichem Leid und ohne die ganze Umweltzerstörung erreichen können?
